Einige der "harten Jungs" haben den gleichen Weg wie ich. Andere kommen aus dem hohen Norden aus Richtung Trondheim die E 6 heruntergefahren.

Einige der "harten Jungs" haben den gleichen Weg wie ich. Andere kommen aus dem hohen Norden aus Richtung Trondheim die E 6 heruntergefahren.

11.10.2009 / Unter Truckern. Pünktlich um 17.30 Uhr rolle ich auf den Fährzubringer der Stena Line in Kiel. Am Abfertigungsschalter allerdings werde ich erst einmal in das Frachtzentrum verwiesen. Also umdrehen und zu Fuß in das Frachtzentrum. Hier wartet ein reibungsloser Ablauf auf mich. Ich bekomme einen blauen Zettel mit einer handgeschriebenen Frachtnummer, meine Bord- und Kabinenkarte und zwei Gutscheine für Abendessen und Frühstück. Zurück am Abfertigungsschalter werde ich freundlich in meine Fahrspur gewunken und stehe wenig später endlich auf der Fähre. Knappe 15 Minuten später finde ich dank eines freundlichen Stewards auch meine Kabine und kann mich häuslich einrichten. Auch die spannungsvoll erwartete Trucker Lounge findet sich zwar nicht nach dem Bordplan, aber nach einem hilfreichen Hinweis vom Bordpersonal auf Deck 10 ganz vorne im Schiff. Hier gibt es nicht nur reichlich saftigen Braten mit Gemüse und deftiger Soße, sondern auch einen großzügigen Aufenthaltsraum, mit Kaffee- und Saftbar.

Wer will, kann sich auch ein frisches Bier zapfen. Und: Es gibt Rauchwolken! „Ja, ich gebe es zu. Ich gehöre immer noch zu denen, die es nicht lassen können und ihre Zigarette nach dem Essen und bei einer Tasse Kaffee lieben.“ Nur eins lässt mich nachdenklich stutzen, während ich meinen Braten mit Gemüse und Soße genieße. Irgendetwas stimmte nicht in dieser Trucker Lounge. Beim genaueren Hinsehen schien alles ganz normal. Gegenüber am Tisch sitzen zwei baumlange Kerle in blauen Overalls, die mit ihren rund 1,90 Metern genauso gut Zimmerleute, wie auch Trucker sein könnten. Der Kleine mit dem Schnurrbart und dem etwas zerfurchten Gesicht nebenan konzentriert sich auf sein Essen. Am Nachbartisch läuft eine rege Unterhaltung. Ab und an folgen ein Kommentar oder ein Einwurf von den Nachbartischen. Das Gespräch dreht sich um die Agrarpolitik aus Brüssel und deren Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Subventionen, Notwendigkeiten und die Frage, warum Fluggesellschaften landwirtschaftliche Subventionen aus Brüssel erhalten, nur weil sie in ihren Flugzeugen Zucker zum Tee oder Kaffee reichen. Dann dämmert es mir! Kein Sex, kein Fußball, kein Gespräch darüber, das einmal einer geschrieben hatte in welch kurzer Zeit ein Trucker ein paar Nutten und ein Sixpack Bier schafft! Auch das offensichtliche Sprachverständnis der „ganz normalen Kerle“, die hier ein wenig Luft holen von ihrem anstrengenden Ritt über die Straßen Europas, klärt sich schnell auf. Die meisten der Fahrer auf der Fähre sind schon lange im Geschäft und auf Fernfahrt. Da lerne man schnell ein wenig von den Landessprachen der häufig besuchten Länder, erklären die Trucker. Italien, Frankreich, Deutschland, Polen, Schweden, Finnland oder Dänemark und Norwegen, immer bleibe ein wenig hängen, meint ein Portugiese. Ein Deutschfranzose lacht schließlich und meint: Richtige Trucker seien sie immer noch. Nur die Zeiten hätten sich eben geändert. Aber auch wenn Bier und Nutten schon lange nicht einmal mehr zum Tagesklischee zählen würden, hinterm Lenkrad zu sitzen und auf das mitunter endlose Band der Straße vor ihnen zu blicken, sei immer noch etwas Besonderes. Ein wenig Easy-Rider schlummere auch heute noch in einem Trucker, der seinen Job liebt. Der sei immerhin durch den Einfluss aus Brüssel besser geworden. Verbindliche Lenk- und Ruhezeiten hätten den Fahrern das Leben erleichtert. Trotzdem bleibe es ein harter Job und auch die Trucker habe die Wirtschaftskrise erreicht. Die Frachtraten sind umkämpft, berichten die Fahrer beim Frühstück, nach dem ich mich von dem Deutschfranzosen und den „harten Jungs von der Landstraße“ verabschiede. Pünktlich um 9.00 Uhr legt nach einer kurzen Nacht die Fähre im Göteborg an. Jetzt geht es in Richtung Norwegen, zu den Moschusochsen auf das Dovrefjell. Noch 650 Kilometer liegen vor mir.

Flagge_GBAmong truckers
On schedule at 5:30 PM I’m rolling onto the Stena Line’s feeder ditch in Kiel. During checkout I’m being rerouted to the freight center first however. So time to turn around and walk on foot to the freight center. Everything flows smoothly. I get a blue note with a handwritten freight number, my board and cabin ticket as well as two coupons for dinner and breakfast. Back at the checkout I am kindly guided onto my assigned traffic lane and find myself aboard the ship in no time. About 15 minutes later I also find my cabin thanks to a friendly steward and start arranging it. I can’t seem to find the largely anticipated trucker lounge by ship plan either, but a helpful advice from the personnel at deck 10 leads me to the front of the ship , finally revealing the lounge’s location. Not only is there plenty of delicious roast, but also an inviting recreation room, including a coffee and juice bar.

They even have draft beer for the needy. And last but not least: There are small clouds of smoke coming up! I have to admit I still belong to those who can’t do without a cigarette after lunch or while drinking a cup of coffee. One thing baffles me though while I enjoy my roast with vegetables. There’s something wrong with this trucker lounge. Even while taking a closer look everything seems to be just normal. At the opposite table reside two tree-sized guys in blue overalls, who could be both truckers or carpenters, taking their 1.90 meter height into account. The little dude with the mustache and the slightly rugged face next to me focuses on his food. At another table there’s a lively discussion. Here and there a comment or an objection from one of the other tables can be heard. The discussion is about Brussels‘ agricultural policy and its ramifications on the agriculture, subsidies, necessities and the question, why airlines receive agricultural subsidies from Brussels, just because they serve sugar to their tea and coffee on their planes. Now I get it! No sex, no football, no talking about how somebody wrote in what short time he finishes off a couple of whores and a six pack of beer. The obvious linguistic capabilities of these ‚every day guys‘, who take a relaxing break from their exhausting rides through Europe here, are quickly explained. Most of the drivers on board have been in business and doing long-distance trips for ages. They would usually learn a thing or two of the respective country’s mother tongue of those frequently visited, they tell me. Italy, France, Germany, Poland, Sweden, Finland or Denmark and Norway, ‚there’s always something you’ll remember‘, says a Portuguese. A German-french guy eventually laughs and explains that they’d still be real truckers. But times had changed. Even if beer and whores wouldn’t count to the usual cliche anymore, it would still be something special to sit behind the wheel and watch the seemingly endless line of the street ahead. A little easy-rider feeling would still be in every trucker who loves his job. Which at least became better because of Brussels‘ influence. Obliged driving and resting times had eased the truckers‘ lives. It would still be a hard job nonetheless however, and the truckers weren’t spared by the commercial crisis either. ‚The freight rates are highly competitive‘, the truckers tell me during breakfast, after I say goodbye to the German-french guy and the ‚tough men from the highway‘. Just in time at 9:00 AM the ship arrives in Goteborg after a short night. Onwards to Norway, to the musk oxen on the Dovrefjell. 650 kilometers to go.