"Blaue für Schlaue" - im Husberger Jagdrevier haben die blauen Warnreflektoren für eine spürbare Abnahme der Wildunfälle gesorgt, freute sich jetzt Jäger Jens Teegen aus Bönebüttel

„Blaue für Schlaue“ – im Husberger Jagdrevier haben die blauen Warnreflektoren für eine spürbare Abnahme der Wildunfälle gesorgt, freute sich jetzt Jäger Jens Teegen aus Bönebüttel

„Blaue für Schlaue“, damit sind die auffälligen blauen Reflektoren gemeint, wie sie Jäger in vielen Revieren im Land an die Straßenbegrenzungspfosten geschraubt haben. Erfolgreich, wie der Husberger Jäger und Naturschutzbeauftragte aus dem Hegering Acht Jens Teegen jetzt berichtete.

Allein an der Bundesstraße B-430 in Richtung Plön sind es von Bönebüttel aus vier Kilometer, an denen die blauen Reflektoren das Wild vor Fahrzeugen warnen sollen. Im Jagdjahr 2015-2016 sind neun Rehe durch Verkehrsunfälle getötet worden. In den Jahren ohne die Zusatzreflektoren waren es bis zu 14 Rehe, erklärte Teegen. Zum Hegering gehören zehn Reviere mit einer Fläche von 6800 Hektar. Hier sprechen die Zahlen ein ähnliches Bild.

Nachtaktiv – von den späten Abendstunden bis zum frühen Morgen zeigen die Warnreflektoren Wirkung

Besonders in den Nachtstunden zeigen die „Blauen“ Wirkung. Je nach Jahreszeit lässt diese allerdings ab etwa 4.30 bis 6.00 Uhr deutlich nach. Die besondere Wirkung entsteht durch die blauen Lichtreflexe, wenn die Reflektoren angestrahlt werden, sagt Teegen. Achtsamkeit bleibe daher besonders dort, wo Schilder „Achtung Wildwechsel“ stehen, geboten, sagt der erfahrene Jäger und Naturfreund.

Jetzt in der Blattzeit können liebestolle Rehe auch tagsüber blitzartig auf der Straße auftauchen. Außerdem sorgt der Ernteverkehr für Unruhe in den Wohnzimmern der Rehe und anderer Wildarten.

Jetzt in der Blattzeit können liebestolle Rehe auch tagsüber blitzartig auf der Straße auftauchen. Außerdem sorgt der Ernteverkehr für Unruhe in den Wohnzimmern der Rehe und anderer Wildarten.

Blattzeit und Mähdrescher bringen Bewegung ins Wild

Hinzu kommen jetzt im Juli und August die Getreideernte und die Blattzeit, sprich Paarungszeit der Rehe. Wenn die Mähdrescher über die Felder ziehen, kommt Bewegung in Reh-, Dam- oder auch Schwarzwild. Dann ist auch tagsüber mit querendem Wild auf der Straße zu rechnen.

Und besonders bei schönem Wetter treiben es die Rehe bunt, erklärt Teegen. In der Blattzeit geht es beim Rehwild häufig in wilder Hatz kreuz und quer durchs Revier. Wenn die Böcke die Ricken vor sich hertreiben, sind die Tiere blind für den Straßenverkehr. Bis Mitte August geht das quirlige Treiben. Danach gibt es eine Pause bis zur Maisernte, die noch einmal das Land verändert.

Vor dem Mähen haben die Husberger Jäger piepende Rauchmelder in die Wiesen gestellt. Bei der anschließenden Kontrolle mit Jagdhündin Missi waren vor dem Mähen keine Rehkitze mehr zu entdecken, sagt der Husberger Jäger Jens Teegen.

Vor dem Mähen haben die Husberger Jäger piepende Rauchmelder in die Wiesen gestellt. Bei der anschließenden Kontrolle mit Jagdhündin Missi waren vor dem Mähen keine Rehkitze mehr zu entdecken, sagt der Husberger Jäger Jens Teegen.

In Husberg retten Rauchmelder Kitze – ein Feldversuch mit Rauchmeldern zeigte Wirkung

Eine gute Nachricht hatte Teegen von der Grasernte im Husberger Revier. Die Grasmahd und Rehkitze sind ein lange bekanntes Sorgenkind für Jäger und Bauern. Die Geburt der Kitze fällt mit dem ersten Grasschnitt im Mai zusammen. Da die Kitze sich anfangs bei Gefahr drücken und nicht flüchten, geraten diese dadurch allzu häufig in die Messer der Mähwerke. Selbst das Absuchen mit erfahrenen Jagdhunden hilft nicht immer. Und auch der Einsatz einer moderne Flugdrohne mit Wärmebildkamera sei weder fehlerfrei, noch in der Praxis flächendeckend machbar. Wirkung hat in einem Feldversuch im Husberger Revier allerdings der „Missbrauch“ von Rauchmeldern gezeigt. Ein bis zwei Nächte lang haben die Jäger in Zusammenarbeit mit den Landwirten vor dem Mähen auf Dauerton geschaltete Rauchmelder mitten in die Wiesen gestellt. Ein Melder auf etwa vier Hektar Fläche hat gereicht, berichtete Teegen. Bei der Randstreifenkontrolle mit dem Jagdhund an langer Leine wurden keine Kitze mehr gefunden. Die Ricken hatten ihre Kitze in der Nacht auf allen Flächen an andere Plätze geführt – weg von dem nervigen Piepton der Rauchmelder. Die Bilanz dieses Jahr: kein totgefahrenes Kitz in der Grasernte. Bisher waren es regelmäßig sechs bis acht tote Kitze, die den Jägern während der Grasmahd gemeldet wurden.