Spuren im Schnee weisen den Weg.

Spuren im Schnee weisen den Weg.

14. Oktober 2009 Die erste Herde. Blauer Himmel über dem Dovrefjell. Nachdem mich die Morgensonne geweckt hat, mache ich mich wieder auf den Weg zum Kolla. 1633 Meter hoch ragt der rund 20 Kilometer von Furuhaugli entfernte Berg in die Höhe, an dessen Fuß ich die ersten Moschusochsen gesichtet hatte. Der Weg im sonnigen Morgenlicht fällt mir etwas leichter als am Vortag.

Ich lasse mir Zeit, nehme die Umgebung in mir auf und suche mit dem Fernglas die Berghänge und die umgebende Vegetation ab. Fjellbirken, Zwergweidenbüsche, Wachholder, Heidelbeeren, Rentierflechten und niedere Gebirgsgräser bestimmen das Vegetationsbild auf der Hochebene des Dovrefjells. Beim Aufstieg stoße ich auf die ersten frischen Spuren und Fährten der Moschusrinder. Noch nicht ganz durchgefrorener Dung zeigt, dass die Tiere nicht weit sein können. Frisch freigescharrte Rentierflechten  weisen zusätzlich auf ihre Nähe hin.

Rentierflechten gehören zum kargen winterlichen Nahrungsangebot der Moschusrinder.

Rentierflechten gehören zum kargen winterlichen Nahrungsangebot auf den Hochebenen.

In einer Senke entdecke ich die erste kleine Herde mit neun Tieren. Ein Bulle liegt etwas abseits der Kühe. Zwei Jungtiere aus diesem Jahr folgen ihren Müttern. Gut 150 Meter sind es vom Rand der Senke, die sich an einem kleinen Bachlauf entlang zieht, bis zur Herde. Ich will die Distanz für heute nicht verkürzen und erst einmal das Verhalten der Gruppe beobachten. Ich sorge dafür, dass die Tiere mich sehen können. An den Reaktionen der Kühe ist deutlich zu erkennen, dass sie mich längst bemerkt haben.

Zwergweiden, Wachholder, Beerenbüsche und Heiden bieten Deckung und Nahrung für die faszinierenden Moschusrinder auf den Hochebenen im norwegischen Dovrejell-Sunndalsfjell Nationalpark.

Zwergweiden, Wachholder, Beerenbüsche und Heiden bieten Deckung und Nahrung für die faszinierenden Moschusrinder auf den Hochebenen im norwegischen Dovrefjell-Sunndalsfjell Nationalpark.

Der Bulle nimmt offensichtlich keine Notiz von mir. Der Blick durch das 400 Millimeter Objektiv mit Zweifachkonverter verrät allerdings, dass er mich genau im Auge hat. Im Schnee vor sich hin dösend hebt er hin und wieder das mächtige Haupt mit den dicken Hornwülsten und wirft einen Blick zu mir herüber, bevor seine Schnauze wieder in den Schnee sinkt. Dass ich meine Wasserflasche im Auto vergessen habe, rächt sich jetzt. Dafür gebe ich den Moschusrindern Gelegenheit ein wenig über Rauchzeichen zu lernen. Das tröstet mich etwas über den Durst hinweg. Fast drei Stunden sitze ich neben einem kleinen Wachholderstrauch und kann die Herde beobachten, dann kommt Bewegung in das Geschehen. Über dem Hügelkamm hinter der kleinen Schlucht taucht ein Rücken auf. Wie ein sich bewegender Felsen ziehen rund zwei Meter Rücken mit einem mächtigen Buckel hinter der Kante entlang.

Die ausgeprägten Hornwülste der Moschusbullen ähneln denen afrikanisscher Kaffernbüffel.

Die ausgeprägten Hornwülste der Moschusbullen ähneln denen afrikanisscher Kaffernbüffel.

In die Herde kommt Bewegung. Langsam ziehen die Tiere hier und da nach Gräsern und Flechten scharrend über den Hügel davon. Den großen Bullen, der sich nur als Silhouette kurz hinter der Hügelkuppe zeigte, bekomme ich heute nicht mehr zu Gesicht. Wie ein Schemen ist er wieder verschwunden und im unwegsamen Gelände abgetaucht, ohne direkten Kontakt zur Herde aufzunehmen. Ich beschließe die Tiere für heute wieder sich selbst zu überlassen und mache mich auf den Rückweg zum Parkplatz an der E 6, wo meine Wasserflasche und mein Auto auf mich warten.

Flagge_GBMusk ox tour 2009 – the first flock
Blue sky above the Dovefjell. After being waken by the morning sun I make my way back to the Kolla. 1633 meters looms the Mountain, where I sighted the first musk oxen, into the sky – roughly 20 kilometers from Furuhaugli. During this sunny dawn the trip is slightly easier than the day before.

I take my time, let the surroundings sink in and search the mountainside and near vegetation with my binoculars. Mountain birches, dwarf willow bushes, juniper, blueberries, reindeer lichens and lower mountain grass make up the make up the biggest part of the vegetation here on the plateau of the Dovrefjell. During my ascension I find the first fresh tracks of the musk oxen. Not completely frozen dung suggests the animals can’t be too far. Recently pawed reindeer lichens indicate their nearby presence as well.

In a sink I discover the first small flock with nine animals. A bull lies a little aside from the cows. Two newborn calves follow their mothers. It’s about 150 meters from the edge of the sink, which goes along a little stream, to the flock. I don’t feel like going any closer today and decide to study their behavior. I make sure the animals notice me. Judging by the cows‘ reactions, they already saw me.

The bull doesn’t seem to take notice of me. Taking a look through the 400 millimeter lens with a double converter reveals him having a close look on me though. Now and then he disrupts his dozing in the snow and raises his mighty head with the sturdy horns and flashes me a glance before he lowers his snout into the snow again. Having forgotten my canteen in the car really gets back to me now. Instead I provide the musk oxen with the opportunity to learn something about smoke signals. This comforts me a little, making me forget about my thirst for a short while. For almost three hours I sit next to the small juniper tree and watch the flock, when suddenly some movement can be seen. On the ridge beneath the small gulch appears a back. Like a moving rock a two meter sized spine with an enormous hunch on it roams behind the edge.

The flock starts moving. The animals slowly make off above the hill, pawing here and there for some grass or lichens on their way. The big bull, who’s silhouette I briefly saw behind the hill top, is not to be seen again today. Like a shade he disappeared into the impassable terrain again, without even making direct contact with the flock. I decide to the leave the animals be for today and make my way back to the parking lot, where my canteen and my car await me.