Geduldig warten die Moschusochsen das Schneetreiben im eisigen Wind ab.

Geduldig warten die Moschusochsen das Schneetreiben im eisigen Wind ab.

16.10.2009 / Treffen im Schneegestöber. Wie ein trotziger Fels ruht der alte Moschusochse mitten im schneidend kalten Wind. Er hat sich seinen Platz etwas erhöht von der neunköpfigen Herde gesucht und liegt still im heran pfeifenden Schneegestöber.

Kaum besser geht es dem zweiten erwachsenen Bullen in der kleinen Gruppe. Auch er hat sich seinen Platz etwas abseits der Muttertiere und Kälber gesucht. Hin und wieder hebt er sein hornbewehrtes Haupt aus dem Schnee, wirft einen sichernden Blick durch wirbelnde Flocken auf die Umgebung. Dann versinkt der rund zehn Zentner schwere Bulle wieder in einen leichten Schlaf. Nur das Spiel der eigenartig geformten Ohren verrät, dass er nur döst und wie die anderen Mitglieder der Gruppe Energie sparend auf das Ende des Schneetreibens, das vom schneidend kalten Wind aus den Bergen heran geweht wird, wartet.

"Doch wirklich, da war ein Yeti."

"Doch wirklich, da war ein Yeti."

Wie Fabelwesen und Relikte aus einer anderen Zeit muten die Moschus- oder Schafochsen, wie sie auch genannt werden, an. Letztlich sind sie es auch. Wo heute wieder Moschusochsen über das Dovrefjell ziehen, zogen die urigen Ziegenverwandten einst gemeinsam mit Mammuten und Wollnashörnern durch das Land. Bis nach Frankreich und Spanien reichte das Verbreitungsgebiet dieser arktischen Wanderer während der letzten Eiszeit, die als typische Vertreter arktischer Klimaregionen bis heute überlebt haben. Leicht hat es Oomingmak, „der Bart tragende oder Bärtige“, wie die Schafochsen von den Inuit genannt werden, in seiner langen Geschichte nicht gehabt.

Oomingmak, "der einen Bart trägt", nennen die Inuit die Schafsochsen.

Oomingmak, "der einen Bart trägt", nennen die Inuit die Schafsochsen.

Kaum mehr als 100 Jahre liegt es zurück, als die Moschusochsen begehrtes Gut der Hudson Bay Company waren, dem Fleischhunger zum Opfer fielen und die Tiere selbst in Kanada und Alaska fast ausgerottet waren. Auch auf Grönland hatten die urwüchsigen Tiere keinen leichten Stand. Seefahrer und andere Fleischjäger sorgten auch hier für einen Niedergang, der weltweit erst Anfang 1900 langsam gestoppt wurde. 1917 wurden die Moschusochsen in Kanada unter Schutz gestellt. Vor dem zweiten Weltkrieg in Norwegen unternommene Bemühungen, die Moschusochsen wieder heimisch zu machen, scheiterten in den Kriegswirren. Erst nach 1947 fruchteten die Bemühungen zur Wiedereinbürgerung mit Tieren aus Grönland. Heute ziehen wieder rund 200 Moschusochsen über das Dovrefjell und durch den Dovrefjell-Sunndalsfjell Nationalpark.

Rund 200 der urigen Ziegenverwandten leben heute wieder im Dovrefjell-Sunndalsfjell Nationalpark.

Rund 200 der urigen Ziegenverwandten leben heute wieder im Dovrefjell-Sunndalsfjell Nationalpark.

Der wie es scheint auf dem rechten Auge blinden Leitkuh in der Gruppe, die mit ihrem einen sehenden Auge umso vorsichtiger und aufmerksamer ihre Umgebung im Blick behält, ist all das gleich. Sie weiß nicht, dass die rund 200 Tiere auf dem Dovrefjell zu den letzten ihrer Art in Nordeuropa zählen. Ihre Aufmerksamkeit gehört der Gruppe, den Kälbern und den häufig schnell wechselnden Wetterbedingungen auf der Hochebene zwischen den Bergen.